Es ist schon ernst genug…

Hier einige Beispiele aus unserer Broschüre:

Erbmediation

„Hallo, Oma, wie funktioniert dein neues Hörgerät?“
„Sehr gut Kind, ich habe jetzt schon dreimal mein Testament geändert.“

erbmediation

Die Erblasserin hat, wie man hier sieht, eine besondere Rolle in der Mediation, denn sie entscheidet letztendlich wohin der Rubel rollen soll.
Es gibt zwei Varianten:
Die schönere von beiden ist in unserem kleinen Dialog angedeutet. Die alte Dame könnte sich mit ihren Erben und einer Mediatorin zusammensetzen und ihre Angelegenheiten einvernehmlich regeln. Dies ist eine präventive Herangehensweise. Nach einem Todesfall dagegen kommt es häufig vor, dass sich die Erben streiten. Oft gibt es entweder kein Testament oder das vorhandene ist mehrdeutig ausgefallen. Die Herausforderung für die Mediatorin ist die Arbeit mit einer Gruppe und die Konfrontation mit starken Emotionen, die aus Erfahrungen stammen, die bis in die Kindheit zurückreichen können. Eine gerichtliche Auseinandersetzung ist oft teurer, ungewisser und gefährdet den Familienfrieden erheblich.

 

Fairness

Es sind Anmeldungsgespräche in der weiterführenden Schule. Der Direktor stellt die Prüfungsfragen heute persönlich.

Direktor: „Also Peter, buchstabier doch mal: Vater.“
Peter: „V a t e r.“
Direktor: „Gut bestanden.
Uschi, buchstabier mal: Mama .“
Uschi: „M a m a.“
Direkter: „Gut bestanden.
Hallo Ali, buchstabier mal: Ausländerdiskriminierung .“

Mit einer Mediatorin wäre Ali das nicht passiert. Ein fairer Umgang aller Beteiligter miteinander ist die Basis für eine tragfähige Lösung. Die Mediatorin ist im Prozess die Hüterin der Fairness, welche keine objektive Kategorie ist. Es geht darum, dass alle Medianden die gefundene Lösung subjektiv als fair und gerecht empfinden.

 

Freiwilligkeit

Montags treffen sich die Jungen Pfadfinder, um sich ihre guten Taten zu erzählen. Nur einer fehlt noch: Fritzchen.
Endlich kommt er total fertig, zerkratzt und mit zerrissenen Sachen.
Der Gruppenleiter fragt: „Na Fritzchen, was hast du denn heute für eine gute Tat vollbracht?“
„Ich? Ich habe einer alten Oma über die Straße geholfen.“
Gruppenleiter: „Das ist ja prima, aber warum bist du so zerkratzt?“
Fritzchen: „Die Alte wollte nicht…“

freiwilligkeit

Auch wenn die Mediatorin es gut meint, bleibt Mediation ein freiwilliges Verfahren. Man sollte niemanden zu seinem vermeintlichen Glück drängen. Die Bereitschaft zu einer Lösung kann nicht erzwungen werden. Selbst wenn Menschen in eine Mediation geschickt werden (z. B. der Chef schickt zwei Mitarbeiter), brauchen die Medianden eine eigene Motivation.

 

Selbstreflexion

eisbaer

Kommt der kleine Bär zu seiner Mutter gelaufen und fragt,
„Mama, was für ein Bär bin ich?“
„Du bist ein Eisbär, mein Sohn“, antwortet seine Mutter.
„Bist du sicher, dass ich kein Braunbär bin?“ fragt er.
„Da bin ich mir ganz sicher“, antwortet sie, „du bist ein Eisbär.“
Aber der kleine Bär ist nicht zufrieden.
„Mami“, fragt er weiter, „vielleicht bin ich aber ein Grizzlybär?“
„Warum fragst du all diese Sachen, mein Sohn? Du bist ein Eisbär!“
Dann läuft der kleine Bär über den Eisberg zu seinem Vater.

„Papa“, fragt er, „bin ich ein Pandabär?“
„Nein, mein Sohn“, sagt der Vater. „Du bist ein Eisbär.“
„Kein Koalabär?“ fragt der Kleine.
„Nein, du bist ein Eisbär“, sagt der Vater.
„Warum stellst du all diese Fragen?“
„Weil“, murmelt der kleine Bär, „mir ist kalt!“

In Konfliktsituationen ähneln so manche Medianden in ihrer Verunsicherung dem kleinen Eisbären. Statt selber Antworten zu geben, sollte die Mediatorin durch Spiegeln die Medianden bei der Selbstreflexion unterstützen. Sie muss auch selbst reflektiert sein, um nach Möglichkeit Projektionen zu vermeiden.